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Soul - Soulmusik nach der Soul-Ära



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Soulmusik nach der Soul-Ära


Die Siebziger, Achtziger und Neunziger brachten eine musikalische Auffächerung in unterschiedliche Strömungen. In den Siebziger Jahren etablierten sich Funk und Disco als neue Stile. In den Achtzigern kam Hip-Hop hinzu. Zusätzlich ausdifferenziert wurde die schwarze Popmusik im weiteren Verlauf auch durch Impulse aus der elektronischen Musik (House, Techno) sowie dem Jazz (Acid Jazz). Hinzu kam ein Crossover hin zum Mainstream Pop, welcher sich vor allem ab den frühen Neunzigern immer stärker bemerkbar machte. Obwohl der Begriff „Soul“ als Reminiszenz an die klassische Ära stets wichtig blieb, ist er seither vor allem als Synonym gebräuchlich für schwarze Popmusik. Dieser Abschnitt gibt einen Überblick über die Hauptstationen dieser Entwicklung.



Psychedelic Soul und Funk


Die psychedelische Richtung innerhalb der Rockmusik machte sich Anfang der Siebziger in vielen Soul-Produktionen bemerkbar. Zunehmend längere, teilweise sinfonieartig angelegte Stücke mit zelebriertem Funk-Bass, Synthesizer, Streichern und akzentuiert eingesetzten Bläser-Sektionen bewegten sich auf Augenhöhe mit den Produktionen zeitgenössischer Art Rock-Bands. Den Temptations gelang mit „Papa Was A Rolling Stone“ (1972) ein Paradestück dieser Richtung. Ähnlich aufwändig produziert waren auch einige Soundtracks zu Blaxploitation-Filmen wie „Shaft“ oder „Superfly“. Eingespielt wurden Letztere von den erfahrenen Produzenten, Musikern und Songschreibern Isaac Hayes und Curtis Mayfield.



Ausgelöst durch die Entwicklungen der Sechziger, wurde auch die Soulmusik in den Siebzigern immer sozialkritischer. Edwin Starr gelang mit dem Antikriegslied „War“ (1970) der Einzug in die Hitparaden. Anders als noch im Jahrzehnt zuvor beeinträchtigten politische Aussagen in den Siebzigern nicht unbedingt die Karriere. Als anspruchsvolle Solokünstler profilieren konnten sich Anfang der Siebziger insbesondere Marvin Gaye und Stevie Wonder. Gaye gelang 1971 mit „What’s Going On“ ein eindrucksvoller Hit mit schwerem, funkbetontem Balladensound. Einen nachhaltigen Crossover in den weißen Popmarkt schaffte Stevie Wonder. Spätestens seit der Veröffentlichung von „Superstition“ im Jahr 1972 galt Wonder als Künstler, der den Spagat zwischen Rock, Soul, Pop und Diskomusik mühelos bewältigte.

Der Haupttrend innerhalb der schwarzen Musik der Siebziger war Funk. Anders als die auf Gospel-Refrains und Popsong-Formate fixierte Soulmusik der Sechziger zelebrierte Funk den reinen Rhythmus. Kennzeichnend für den neuen Sound waren ein treibender Bass, abgehackte Gitarren-Riffs sowie akzentuiert eingesetzte Bläsersätze. Der Gesang erfüllte im Grunde lediglich die Rolle, die Darbietung der Stücke zu moderieren und ihre Wirkung emotional zu steigern. Ausgelöst wurde der Funk-Boom im Wesentlichen von Musikern und Instrumentalisten bereits bestehender Gruppierungen und Studiobands. Die ersten Versuche hin in diese Richtung vollzogen schwarze Formationen im Windschatten von Psychedelic und progressiver Rockmusik. Sly & the Family Stone waren durch das legendäre Woodstock-Festival 1969 bekannt geworden. Eine weitere Band in dieser Richtung waren die kalifornischen War, die sich zeitweilig mit dem britischen Rock-Urgestein Eric Burdon liierten. Stilprägend für den Funk war allerdings der Live-Sound von James Brown, dessen Stück „Sex Machine“ aus dem Jahr 1970 die Gattung entscheidend mit begründete. Wichtige Bands des Funk wurden George Clinton mit seinen Bands Parliament und Funkadelic, die aus Chicago stammenden Earth, Wind & Fire, die Ohio Players sowie Kool & the Gang. Eine spezielle Unterrichtung des Funk war schließlich der Funk Jazz, der vor allem im Umfeld einiger Miles Davis-Musiker wie zum Beispiel Herbie Hancock entwickelt wurde. Stilprägend wirkte sich der Funk schließlich auch auf die Ende der Siebziger neu entstehende Rap- und Hip-Hop-Musik aus.

Philly Sound und Disco


Eine zweite Welle poporientierter Soulmusik startete ab 1972 von Philadelphia aus. Der bekennende Black Muslim Kenny Gamble und sein Partner Leon Huff gründeten ihre Firma Philadelphia International Records unter der Schirmherrschaft der CBS. Bereits 1973 war sie das zweitgrößte von Schwarzen geführte Musikunternehmen in den USA. Ebenso wie bei Atlantic Records, Stax und Motown sorgte auch bei Philadelphia International Records eine hauseigene Studioband für den richtigen Sound. Das Markenzeichen der MFSB-Band (abgekürzt für: Mothers, Fathers, Sisters, Brothers) war eine perfekt produzierte, tanzbare Soul-Variante, die derjenigen von Motown in vielem ähnelte. Von Kritikern wurde der bald als Philly Sound bekannte Stil als Anbiederung an den weißen Mainstream kritisiert. Andererseits entsprachen die nach dem Fließbandprinzip ausgestoßenen Hit-Produktionen der Firma durchaus den Hörbedürfnissen einer prosperierenden schwarzen Mittelschicht.

Die Künstler des Labels belegten in der ersten Hälfte der Siebziger zahlreiche Top-Plätze in den Hitparaden. Unter Vertrag standen bei Gamble und Huff die Three Degrees, Harold Melvin & The Blue Notes sowie ihr Leadsänger Teddy Pendergrass und die bereits seit Ende der Fünfziger existierenden O’ Jays. Bekannte Hits des Labels wurden „Me And Mrs. Jones“ von Billy Paul (1972), „Love Train“ von den O’Jays (1971) und „The Love I Lost“ von Harold Melvin & The Blue Notes (1974). Gloria Gaynor, bekannt geworden durch ihren Hit „Never Can Say Goodbye“ aus dem Jahr 1974, gelang fünf Jahre später der erfolgreiche Brückenschlag zur Disko-Welle mit der inoffiziellen Homosexuellen-Hymne „I Will Sourvive".

Der zeitweilige Erfolg des Philly Sounds trug zwar nicht unmaßgeblich bei zur Etablierung der Disko-Welle. Selbst profitieren konnte das Label davon jedoch nur wenig. Das angeschlossene Soundstudio Sigma Sound wurde zwar von unterschiedlichen Musikgrößen wie zum Beispiel Barbra Streisand und Lou Rawls genutzt. Bis Anfang der Achtziger sanken jedoch die Marktanteile von Philadelphia International Records rapide. Das auf die Dauer stereotyp klingende Konzept der Firma war ausgereizt; die Zentren des Soul verlagerten und dezentralisierten sich endgültig. Die nachfolgenden Stilrichtungen Funk, Disko, House und Hip-Hop bewirkten auf lange Sicht schließlich auch eine Generationsablösung innerhalb der schwarzen Musik.

Soul von den Achtzigern bis heute


Die Achtziger standen, was schwarze Musik angeht, vor allem im Zeichen von Hip-Hop. Jenseits der Aufmerksamkeit, die diese neue Richtung auf sich zog, gab es jedoch immer wieder bemerkenswerte Einspielungen alter und neuer Künstler. Einige von ihnen forcierten gezielt den Crossover in den weißen Popmarkt. Bemerkenswert ist hier vor allem der Aufstieg von Tina Turner, Prince und Michael Jackson. Allen dreien gelang es, sich als Größen dauerhaft im Popgeschäft zu etablieren. Mit Soul hatte die Musik von Turner, Prince und Jackson zwar nur teilweise etwas zu tun. Zumindest Tina Turner und Michael Jackson hatten sich allerdings im klassischen Rhythm’n’Blues- und Soul-Metier hochgearbeitet: Tina Turner zusammen mit ihrem Ex-Mann Ike Turner als Sängerin der Combo Ike & Tina Turner, Michael Jackson als Mitglied der Motown-Teeniegesangsgruppe Jackson Five.

Die klassische Soulmusik steckte Anfang der Achtziger in einer schweren Krise. Eine Folge des Hip-Hop war die Spaltung des schwarzen Amerika in zwei unterschiedliche Welten und Wertsysteme. Auch die kommerziellen Zentren der Soul-Musik verlagerten sich. Während Chicago, Memphis und Detroit für Soul-Produktionen nahezu bedeutungslos wurden, sorgten neue Studios und Labels in New York, Philadelphia und Los Angeles für Nachschub auf dem Soul-Markt. Haupttrend war auch hier der Crossover in Richtung Pop. Kurzfristig lebte auch die alte Stilbezeichnung Rhythm’n’Blues neu auf – diesmal als Stilbezeichnung für neuere, tanzbare Soul-Varianten. Als längerlebig erwiesen sich allerdings allgemeinere Begriffe wie Neo Soul oder Urban Soul. Bedeutende Soul-Künstler des neuen, urban ausgerichteten Stils waren Luther Vandross, Freddie Jackson, Shirley Jones, Teena Marie und Anita Baker. Doch auch älteren Soul-Acts wie Gladys Knight & the Pips, Marvin Gaye und Bobby Womack gelang es in dieser Umbruchphase, sich mit neuen Produktionen und Stücken in Erinnerung zu bringen.

Im neuen Jahrtausend hat sich die Soul Music dezentralisiert und internationalisiert. Der Begriff „Soul“ kennzeichnet heute nur noch im engeren Sinn die klassische Phase dieser Musikrichtung in den Sechzigern. In der aktuellen Umgangssprache steht er vielmehr übergreifend für eine schwarze Popmusik, die irgendwie „soulfull“, also gefühlsbetont daherkommt. Auch die Rassengrenzen sind heute weniger bedeutend als früher. Obwohl Soul nach wie vor als „schwarze“ Musikrichtung gilt, wird sie schon seit langem auch von nichtschwarzen Künstlern und Nachwuchs-Interpreten adaptiert.

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