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Soul-Musik ausserhalb der Usa



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Soul außerhalb der USA


Großbritannien und Westeuropa

Insbesondere in Großbritannien kam der neue Stil bereits in den Sechzigern gut an. Bereits seit dem Zweiten Weltkrieg waren die kulturellen Bande zwischen der britischen Insel und den Vereinigten Staaten besonders eng. Großbritannien verfügte über eine eigene Jazz-Tradition; darüber hinaus wurden insbesondere die neuesten Rock’n’Roll- und Rhythm’n’Blues-Trends hier frühzeitig adaptiert. Die Übernahme US-amerikanischer Richtungen erfolgte allerdings niemals eins-zu-eins: Auch die Adaption des Soul-Trends hatte von Anfang an eine speziell britische Komponente. Als speziell britische Domäne erwies sich vor allem der sogenannte Blue Eyed Soul. Erste und gleichzeitig bekannteste Künstlerin dieses Genres war die im Londoner Stadtteil Hampstead geborene ehemalige Friseuse Dusty Springfield („Son Of A Preacher Man“, 1967). Die „White Queen Of Soul“ hatte im Verlauf der Sechziger mehrere Hits; als legendär gilt ihre in den Vereinigten Staaten eingespielte Platte „Dusty in Memphis“.



In den Siebzigern gründeten sich auf der Insel zahlreiche Soul- und Funkgruppen. Obwohl sie teilweise oder gar gänzlich aus weißen Bandmitgliedern bestanden, gelang es ihnen, musikalisch auch über die Landesgrenzen hinaus Furore zu machen. Beispiele für britische Soul Acts in den Siebzigern sind die 1972 in Schottland gegründete, aus Weißen bestehende Average White Band, die gemischtrassige Formation Hot Chocolate, die im Zuge der Disko-Welle größeren Erfolg hatte sowie die Funk-Gruppe Heatwave. Unter den Sängern ist vor allem Billy Ocean hervorzuheben. Er stammte aus Trinidad; seine Single „Love Really Hurts Without You“ erreichte 1976 Platz 2 der britischen Charts. Eddy Grant hatte bereits in den Sechzigern als Mitbegründer der Bubblegum-Gruppe Equals von sich reden gemacht. In den Siebzigern startete er eine Karriere als Solosänger und erzielte 1979 einen Hit mit dem Song „Living On The Frontline“. Furore machte der Soul-Ableger auf den britischen Inseln schließlich auch im Kino. Das typische Milieu einer irischen Soul-Nachwuchsformation schildert der Film „The Commitments“ aus dem Jahr 1992.

In den Achtzigern wurde der britische Soul exklusiver und edler. Für den zeitweiligen Hippness-Faktor sorgten Kreuzungen mit anderen Musikstilen, insbesondere Anleihen bei Disco, House, Jazz, Funk, Reggae, Dub und Hip-Hop. Eine spezielle Abart dieser Richtung firmierte zeitweilig unter der Bezeichnung Acid Jazz. Der Crossover zwischen Pop, Jazz und Soul brachte eine angejazzt-aufgeraute Club-Version des Blue Eyed Soul hervor; die bekanntesten Vertreterinnen dieser Richtung waren Carmel, Sarah Jane Morris sowie die gebürtige Nigerianerin Sade. Funk- bzw. Reggae-orientierte Musik spielten darüber hinaus die beiden Formationen Jamiroquai und Level 42. Auf dem Festland von sich reden machte während der Neunziger schließlich die belgische Band Vaya Con Dios, welche die Traditionslinien Soul, Funk, Rhythm’n’Blues, Sinti-Jazz, Musette und Chanson zu einer ganz eigenen Mischung verarbeitete.

Ein eigenes Phänomen innerhalb der Soul-Musik ist der sogenannte Northern Soul. Obwohl der Begriff gelegentlich auch zur Kennzeichnung der Musik nördlicher US-Labels wie etwa Motown verwandt wird, wurde Northern Soul in Europa vor allem durch die Soul-Begeisterung junger britischer Mods in den Sechziger Jahren bekannt. Kennzeichnend für die kleine, bis heute jedoch in vielen europäischen Ländern aktive Northern Soul-Szene ist das Sammeln und Importieren gut tanzbarer und seltener Soul-Musik. Die auch in Deutschland vertretene Szene trifft sich vor allem bei speziellen Tanzveranstaltungen, die als Allnighter bezeichnetet werden. Ihren Höhepunkt hatte diese Subkultur zwar in den Sechzigern. In den achtziger Jahren wurde sie allerdings reaktiviert und hat bis heute einen überschaubaren, jedoch beständigen Anhängerkreis.



Soul in Deutschland


Die Soul-Welle der Sechziger erreichte Deutschland auf zwei Arten: zum einen durch hier stationierte Angehörige der US-Armee, deren musikalische Vorlieben sich sehr frühzeitig auf das Musikangebot garnisonsnaher Großstadtclubs und Diskotheken auswirkte. Frühe Zentren für schwarze Musik in Deutschland waren vor allem Frankfurt am Main, Mannheim, Kaiserslautern und Heidelberg. Die eigentliche Soul-Welle erreichte Deutschland jedoch erst im Windschatten angelsächsischer, vor allem britischer Popmusik in den Sechzigern. Ähnlich wie bei der Rockmusik dauerte es jedoch vergleichsweise lange, bis sich eine eigenständige Soul-Szene entwickelte. Ein verstärktes Interesse für schwarze Musik entwickelte sich erst im Zuge der Ausbreitung von Hip-Hop ab Anfang der Neunziger. Ähnlich wie in der Hip-Hop-Szene in den USA wurde ab Ende der Neunziger verstärkt auf Soul-Elemente zurückgegriffen.

Seit Beginn des neuen Jahrtausends kann man auch in Deutschland von einer eigenständigen Soul-Szene sprechen. Oft sind die Acts aus der seit Anfang der Neunziger recht regen Hip-Hop-Szene hervorgegangen. Ein schwarzer oder zumindest migrantischer Hintergrund sorgt bei vielen Künstlern des deutschen Soul für zusätzliche Authenzität. Als Produzent und Musiker im Mittelpunkt der Szene steht der Frankfurter Moses Pelham, ehemals Mitglied der Hip-Hop-Formation Rödelheim Hartreim Projekt. Als Soul-Künstler aufzuführen sind die aus dem Pelham-Umfeld stammende Sabrina Setlur, der Ex-Security-Mann Aymann, die Sängerin Cassandra Steen, die Formation Glashaus sowie die aus Berlin stammende Joy Denalane. Einen nachhaltigen Erfolg auch im Pop-Markt gelang insbesondere dem gebürtigen Mannheimer Xavier Naidoo. Furore machte neben Xavier Naidoo insbesondere Max Mutzke, der mit seinem Titel „Can’t wait until tonight“ 2004 beim Eurovision Song Contest den achten Platz belegte.

Die Soul-Szene in Deutschland präsentiert sich seit der Jahrtausendwende vielgestaltig und lässt sich mit derjenigen in anderen Industrieländern durchaus vergleichen. Verspätet von sich reden macht mittlerweile auch eine vergleichsweise kleine Subkultur von Northern Soul-Anhängern. Stilistisch ist auch „Soul Music made in Germany“ von einem bunten Crossover geprägt. Als musikalische Einflüsse aufzuführen sind neben klassischen Soul-Elementen insbesondere Hip Hop sowie Funk, Jazz und Reggae. Für die aktuelle Vielgestaltigkeit schwarzer Musikstile stehen zum einen ambitionierte Projekte wie etwa die Funk-Gruppe Rad, andererseits neue Künstler wie etwa Jan Delay oder J-Luv.

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